"In zahlreichen Artikeln hat [die Autorin] dieses kleine Land mit seinen 18 oder 19 Religionsgruppen aus fast jedem denkbaren Blickwinkel beschrieben und nun durch die Bündelung der Reportagen entschlüsselt: Aufbruch in Libanon ist ein Reiseführer über ein hochkomplexes Land mit einer hochkomplexen Gesellschaftsstruktur(...)

Die Reportagen haben, aufs Ganze gesehen, nichts von ihrer Aktualität eingebüsst. Der Aufbruch - eine direkte Folge der Ermordung von Ministerpräsident Rafik Hariri - führte letztlich zu keinem radikalen Ausbruch aus den von der Tradition festgeschriebenen Strukturen und Tabus. Weder findet eine Aufarbeitung der Geschichte des Bürgerkrieges statt, den die Autorin eingehend und kompetent behandelt, noch fand der Staat zu einer neuen Rolle: So glänzt er, wie Wettig in einigen erhellenden Reportagen über die soziale Lage deutlich macht, durch Abwesenheit und überlässt die Arbeit einheimischen und ausländischen Nichtregierungsorganisationen.

Aufbruch in Libanon ist geschickt und äusserst informativ aufgebaut: Die Reportagen des ersten Teils haben stets einen direkten politischen und sozialpolitischen Bezug. Sie ergeben ein kompliziertes Puzzle, das sich indessen im Laufe der Lektüre zu einem überschaubaren, stimmigen Bild zusammenfügt: über Dörfer, die im Bürgerkrieg entvölkert wurden, über das Los der fast 400 000 palästinensischen Flüchtlinge in ihren Lagern, diesen Gefängnissen zwischen den Zedern, oder über Zensur und Sexualität. Viele der Reportagen sind zugleich Blicke hinter die Kulissen eines Landes, wo sich die Einflüsse des Westens und jene des Nahen Ostens kreuzen, vermischen, aber eben auch reiben.

Von diesem vielfältigen, weitgehend unbekannten Libanon handeln die immer leicht lesbaren, teils höchst amüsanten Reportagen des zweiten Teils. Sie sind, wie die des ersten Teils, von der Autorin kommentierend um jene Nuancen und Grundinformationen ergänzt worden, die das Buch erst zum umfassenden Reiseführer machen und eine weitestgehende Annäherung an die libanesische Wirklichkeit ermöglichen.

Hannah C. Wettig beschreibt in solchen Reportagen all das, was sie in diesen Sätzen zusammenfasst: Beirut, das bedeutet natürlich nicht nur Politik. Während die ganze Region von aussen als hoch politisiert erscheint, fällt es vor Ort leicht, die Politik des Landes und der Nachbarn zu ignorieren. Und sie taucht, höchst aufschlussreich, ein in die Vielfalt jenseits der Politik."
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Walter Lüthi in Der Bund (Schweiz)

"Der Autorin ist mit diesem Buch eine spannende und lebendige Beschreibung des widersprüchlichen Alltags im heutigen Libanon gelungen. Die politische Situation des Zedernstaates lässt sie sowenig aus wie das Beiruter Nachtleben, Ausflüge, Kultur, die Rolle der Frau, Umweltschutz und Esoterik. Die Berichte spiegeln die Erfahrungen der Verfasserin wider, die sie als Reporterin der libanesischen Tageszeitung Daily Star gesammelt hat."

Das Buch enthüllt eine Fülle von Besonderheiten des Alltags in der libanesischen Gesellschaft. Es ist spannend zu lesen für jeden der mehr über den Libanon erfahren möchte."
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Karin Müller im Vorwärts