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Wie ich denn auf die Idee gekommen sei, Arabisch zu studieren. Das bin ich sicherlich schon an die tausend mal gefragt worden. Nun, es ist ja auch eine ziemlich gute Smalltalk-Frage - besser als die nach Wohnungseinrichtungen, Wetter oder Weihnachtsgeschenken. In meinem Fall ist die Antwort allerdings kompliziert, und da Menschen in Smalltalk-Situation ungern mit langatmigen Monologen gelangweilt werden, habe ich darum eine ganze Reihe Antworten ersonnen. Die erste eignet sich gut für fröhliche Frauenrunden und Männer, die einen Flirt anstrengen. In der Kurzform lautet sie: "Ich mag arabische Männer." Darin erntet sie immer einige Lacher, ist aber nicht ganz wahr. Wahr ist, dass mein erster Freund einen ägyptischen Vater hatte. Dann gibt es die nüchterne Antwort, die auch für Vorstellungsgespräche und dergleichen geeignet ist: "Ich habe mich während des ersten Semesters meines sozialwissenschaftlichen Studiums gelangweilt und wollte irgendetwas Reelles studieren. Da ich Journalistin werden wollte, fand ich Arabisch eine gute Idee." Ich gebe zu, dass diese Erklärung etwas unbefriedigend ist, darum schmücke ich sie je nach Lage mit mir sinnhaft erscheinenden Begründungen aus, etwa damit, dass alle anderen, die ins Ausland wollten, Spanisch studiert haben, die arabische Welt uns doch aber so viel näher sei als Lateinamerika und so viel wichtiger und so weiter... Origineller, aber nur für bestimmte Anlässe geeignet, ist die Behauptung, ich sei quasi schon immer von der arabischen Welt fasziniert gewesen. Tatsächlich habe ich mit 13, als wir Islam als Thema im Religionsunterricht hatten, alles mögliche dazu gelesen, weit über den Schulstoff hinaus. Dieser zweiten Erklärung gebe ich gern etwas esoterische Züge. Zumindest erzähle ich, dass mich nichts so glücklich mache wie der morgendliche Ruf des Muezzins, wenn ich gerade in einer nordafrikanischen Stadt angekommen bin (übrigens auch nur dann, denn nach zwei Tagen nervt er mich schon) oder dass mich der Anblick der Wüste tief zufrieden stimmt (eine Platitüde, aber manche Menschen stehen darauf). Anderen erzähle ich, dass ich den süßlichen Geruch nach vermoderndem Müll in Kairo mag (ich glaube zumindest, dass es der Müll ist, der so stinkt). Und wenn ich sehr gut gelaunt bin, behaupte ich, ich sei in meinem vorherigem Leben ein syrischer Händler gewesen.
Dann gibt es noch die politische Antwort. Als ich mir nämlich die Unterlagen für das Studium besorgte, waren die Amerikaner gerade in Kuwait gelandet... |